Erzbischof Stanisław Gądecki: Wir sind alle Kinder der Mutter des Friedens

10 September 2021
Ausgehend von der Prophezeiung von Jesaja beschrieb der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz den Weg der Hoffnung und des christlichen Friedens, dessen Schlüsselfigur die Muttergottes ist.

Die Hoffnung strömt immer aus dem Herzen des Menschen, begann Stanisław Gądecki, Erzbischof von Poznań und Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz, seine Homilie bezogen auf die erwähnte Prophezeiung im Morgengebet des Internationalen Eucharistischen Kongresses am Mittwoch. Der Erzbischof verband diese Hoffnung vor allem mit der Geburt Hiskijas (Hiskia), des Sohnes von König Ahas, von dessen Herrschaft man sich viel erhoffte, und diese Hoffnungen dann auch in Erfüllung gingen: Hiskija führte die erste große religiöse Reform in Judäa durch, indem er die Kulthöhen abschaffte, den Kultpfahl zerstörte, die heiligen Bäume fällte und die Kupferschlange zerschlug.

Nach Ansicht von Erzbischof Gądecki lehrt uns diese ferne Geschichte zwei Dinge. Erstens, dass der Frieden nicht durch Vorbereitung auf Krieg erreicht wird, sondern dadurch, dass Gottes Gesetze in die Herzen der Menschen eindringen und man sich an diese Gesetze dann auch hält. Dann werden wir den Schalom, den messianischen Frieden, in unseren Seelen haben, der „nicht nur die Abwesenheit von Krieg bedeutet, sondern auch die Harmonie der Menschheit mit Gott, der Menschen untereinander und der Menschen mit der Natur”.

Andererseits lehrt uns diese Geschichte auch, so der polnische Erzbischof, dass „sich die Autorität vom moralischen Gesetz führen lassen muss”. Ohne das Gesetz der Gerechtigkeit, das von allen anerkannt wird, können sich die Menschen nie vollständig einigen. Diese Ordnung kann nur in Gott aufrechterhalten werden. Wenn wir uns von Gott trennen, trennen wir uns von uns selbst”, betonte Erzbischof Gądecki.

In Bezug auf die Prophezeiung sagte Erzbischof Gądecki, dass sie sich nur in der Person Jesu erfüllt habe. „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt”, zitierte er den Heiligen Lukas. Wie er sagte, besitze nur Er die Fülle des Heiligen Geistes; die Heiligen empfangen nicht „die Fülle Seines Geistes”, sondern „Seine Fülle.” Er betonte, dass Jesus durch den Heiligen Geist jede Form von Gewalt als mögliches Mittel zum Zweck ablehnt und, wie er hinzufügte, „mit grenzenloser, barmherziger Liebe Frieden bringen wird, bis hin zum Opfer seines eigenen Blutes für unsere Sünden”. Und mit dem Kreuzesopfer begannen alle Völker eine endlose Pilgerfahrt zum „Sinaiberg”, d.h. zur Kirche, von der aus uns das Licht des Evangeliums die Versöhnung durch die Liebe der Barmherzigkeit lehrt.

Der polnische Erzbischof zitiert den heiligen Bonaventura: „Das zu verstehen, dass Christus als Zeichen im Sakrament gegenwärtig ist, ist nicht schwer, aber anzunehmen, dass er wirklich im Sakrament, so wie im Himmel, gegenwärtig ist, ist eine sehr große Schwierigkeit; und so ist es nicht leicht zu glauben, dass dies die lobenswerteste Tatsache ist”. Mit anderen Worten: Die Gemeinschaft mit Jesus darf sich nicht auf die Heilige Kommunion beschränken; wir müssen uns bemühen, ein eucharistisches Leben zu führen, damit unsere Handlungen Zeugnis davon ablegen, dass Jesus in unserem Herzen lebt.

Nach Ansicht von Erzbischof Gądecki ist für den Frieden unter den Menschen zunächst eine Wandlung im Herzen erforderlich, und dazu muss jeder Mensch und jede Gruppe Christus dienen. Ohne dies wird der Frieden brüchig, da sich der persönliche Egoismus und menschliche Eitelkeit negativ auf die gesellschaftlichen Strukturen auswirken.

Schließlich bezog der polnische Erzbischof die Prophezeiung von Jesaja auf die Gefeierte des Tages, die Jungfrau Maria: Die Geburt der Jungfrau wurde zu einer Kopie der Geburt des Sohnes. „In jedem Menschen (...) birgt immer die Identität eines Kindes”, sagte der Erzbischof und fügte hinzu, dass das Leben das erste Geschenk ist, das wir erhalten. Er zitierte den Heiligen Andreas von Kreta und sagte: „Heute wird das Tabernakel des Schöpfers des Universums gebaut; heute wird durch die Kraft des unbegreiflichen Plans Gottes ein neues Obdach für den Schöpfer von der Schöpfung gebaut” und deshalb sind wir alle Kinder der Jungfrau, der Mutter des Friedens.

Foto: Tamás Thaler